Checkliste für die Zukunft Handwerk?

Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Artikel „Zukunft Handwerk“ schreiben soll. Ist das ein Thema für einen Blog, oder warte ich lieber, bis ich mich mal wieder an ein Buch wage?
Denn meine Erfahrung zeigt, dass die Blogartikel am besten funktionieren, deren Überschriften eine genaue Schritt-für-Schritt-Anleitung oder Checkliste versprechen. Sich mit kritischen Themen auseinander setzen, steht nicht so hoch im Kurs. Und ja, es gibt Themen und Aufgaben, da machen diese Aufstellungen absolut Sinn:
„10 Punkte, die du für die Steuererklärung 2018 unbedingt berücksichtigen musst“
„Zur eigenen Facebook-Seite in 5 Schritten“
„Checkliste Transporterkauf: Das ist zu beachten“
Doch jetzt mal ehrlich: Für die Zukunft deines Unternehmens gibt es keine Checkliste á la „10 Punkte, um dein Unternehmen sicher in die (digitale) Zukunft zu führen“. Das mag verlockend klingen, doch ist absolut unrealistisch.

Niemand weiß genau was die Zukunft bringt

Nehmen wir eines der brennendsten Themen: Wie entwickelt sich die Arbeit in Zeiten der Digitalisierung. Es gibt renommierte(!) Expertengruppen, die davon ausgehen, dass durch die Digitalisierung sogar zusätzliche Arbeitsplätze entstehen. Ebenso renommierte Spezialisten kommen zu dem Schluss, dass genau das Gegenteil passiert und Millionen von Jobs wegrationalisiert werden. Die Antwort lautet also: Niemand weiß es genau. Ich persönlich gehe davon aus, dass gerade das Handwerk stark von der Digitalisierung profitieren kann, da die allermeisten Tätigkeiten im Handwerk (auf absehbare Zeit) nicht digitalisierbar sind. Das klassische Handwerk wird durch digitale Prozesse und Geschäftsmodelle eine Aufwertung erfahren und dadurch attraktiver werden. Auch für Personengruppen, die sich jetzt noch gar nicht vorstellen können, im Handwerk zu arbeiten. Ob ich Recht habe, wird erst die Zukunft zeigen.

Es geht nicht um Antworten

Doch aus meiner Sicht geht es im derzeitigen Stadium der Entwicklung nicht um Recht oder Unrecht . Es geht nicht darum Antworten zu haben, sondern es geht darum die richtigen Fragen zu stellen (und auf die richtigen Fragen zu kommen) – immer und immer wieder!
Ein Auszug:

  • Stellen wir unser Unternehmen attraktiv dar, um die Mitarbeiter und Azubis anzuziehen, die wir für die Zukunft brauchen?
  • Kann es in unserer Branche ein „Uber“ oder „Airbnb“ geben, das alles auf den Kopf stellt?
  • Kann eine Plattform wie Amazon die Nachfrage unserer Kunden bündeln?
  • Gibt es für uns digitale Geschäftsfelder, an die wir nicht im Traum gedacht hätten?
  • Sind wir auf Kunden, Mitarbeiter und Kandidaten vorbereitet, die nie offline sind?

Wie hast du auf diese Fragen reagiert? Hat dein Kopf angefangen zu arbeiten? Hat dir dein emotionales Sicherheitsbedürfnis gesagt, dass der Jörg einen Vogel hat? Nie im Leben wird so etwas passieren. Oder, was am schlimmsten wäre, hast du dir gedacht: Für diese Fragestellungen hab‘ ich jetzt echt keine Zeit?

Der Zug wartet nicht

Ich möchte wahrlich keinen Artikel schreiben, über dem der erhobene Zeigefinger wie ein Damoklesschwert schwebt (ich hoffe das gelingt mir 😉 ). Aus eigner Erfahrung als Handwerksunternehmer weiß ich, wie sehr einen das Tagesgeschäft vereinnahmen kann. Wie bereits erwähnt geht es mir gar nicht darum Recht zu haben, sondern es geht mir um das Augen öffnen für die Situation.
Die erfolgreichsten Unternehmen denken antizyklisch und sind proaktiv. In Zeiten wie diesen investieren sie nicht nur Zeit in das Abarbeiten ihrer zahlreichen Aufträge, sondern sie beschäftigen sich damit, sich für die Zukunft zu wappnen. Wenn du bis zu dieser Stelle gelesen hast, hoffe ich mal, dass du zur letzteren Gruppe gehörst. Keine Zeit für Fortbildung, keine Zeit für Bücher, keine Zeit für Gespräche – das wird Folgen haben.
Das Gemeine ist: Die Veränderungen über die wir sprechen kommen nicht von heute auf morgen – sie kommen meist schleichend (nicht immer!). Und noch etwas: Technische Revolutionen sind – das zeigt uns die Geschichte – im Gegensatz zu politischen Revolutionen nicht umkehrbar.
Stell‘ es dir vor wie einen anfahrenden, offenen Güterzug. Einige Unternehmen – auch im Handwerk – sitzen bereits in den Waggons. Wieder Andere klammern sich am Ende des Zuges fest und versuchen ihn krampfhaft aufzuhalten – vergeblich. Manche laufen neben dem Zug her und haben – vorausgesetzt die Geschwindigkeit ist noch nicht zu hoch – die Möglichkeit aufzuspringen. Die vierte Gruppe steht auf dem Bahnsteig und ist so mit Abarbeiten beschäftigt, dass sie weder aufspringen noch mitlaufen kann.

Eine einzigartige Chance

Zu welcher Gruppe gehörst du? Versteh‘ mich richtig: Ich möchte dir keine Angst machen, ich möchte dich auf die einzigartige Chance hinweisen, die du gerade als Handwerksunternehmer jetzt hast. Wenn wir jetzt anfangen uns die richtigen Fragen zu stellen und uns auf die Zukunft so gut wir können vorbereiten, kann das Handwerk eine der nächsten Boombranchen werden – auch für Mitarbeiter und Auszubildende. Denn so paradox es klingen mag, aber die starke Digitalisierung wird eines wieder viel stärker in den Fokus rücken: den Menschen! Und gerade im Handwerk können wir das strukturell hervorragend nutzen.
Von alleine wird das nicht passieren! Und mit der Wagenburg- und Status-Quo-Verteidigungsmentalität die vielerorts vorherrscht ebenso wenig.
Lasst uns also jetzt – um beim Beispiel Zug zu bleiben – gemeinsam die Weichen stellen. Denn es kann heutzutage auch mal verdammt schnell gehen. Brauchte das Rad noch Jahrhunderte, um sich auf der ganzen Welt zu verbreiten, so schaffte es die App „Pokemon Go“ bereits innerhalb weniger Minuten.
Der Zug rollt….


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