„Das gewisse Etwas“

Sie sind seltener geworden, doch es gibt sie noch – Berufe die als typische „Männerdomänen“ gelten.
Branchen in denen sprichwörtlich das Testosteron „regiert“. In diesen Branchen leuchten Sie heraus: Die „Power Frauen“, die mit ihrem Ehrgeiz, ihrer Zielstrebigkeit und dem „gewissen Etwas“, Außergewöhnliches erreichen.
Häufig finden diese Unternehmerinnen Ideen und Lösungen, die ihre männlichen Branchenkollegen so nicht finden. Eben aus diesem Grund widme ich ihnen, in meinem 2016 erscheinenden Buch „Glücksschmiede Handwerk“, auch ein ganzes Kapitel.

„Einmal verdoppeln bitte!“

Eine dieser besonderen Unternehmerinnen ist Katja Hof. Sie leitet seit 2006 das Unternehmen Hof CNC im hessischen Haiger. Das 90 Mitarbeiter starke Familienunternehmen, leitet sie in dritter Generation. Der Schwerpunkt des Unternehmens liegt in der flexiblen Blechbearbeitung.
Katja Hof ist es in 10 Jahren gelungen, alle relevanten Werte ihres Unternehmens zu verdoppeln! Mitarbeiter, Umsatz, Gewinn und Kundenzahl.
Grund genug sie zu fragen, wie sie das gemacht hat und was sie anders macht als ihre (männlichen) Konkurrenten.

„Blech im Blut“

Frau Hof, Sie arbeiten in einer für Frauen durchaus exotischen Branche. Wie war Ihr Karriereweg bis an die Spitze des Unternehmens?
Katja Hof: Kurvig würde ich sagen.
Ich bin ursprünglich gelernte Steuerfachangestellte. In dieser Ausbildung bin ich mehr durch Zufall gelandet. Es war ehrlich gesagt sehr trocken und furchtbar langweilig. Doch im Nachhinein muss ich sagen, dass mir gerade diese Ausbildung für meine jetzige Position enorm von Nutzen ist.
Ein zufälliger Start. Ging es auch zufällig weiter? 
In gewisser Weise schon. Im Jahr 2006 war ich schon einige Zeit als Buchhalterin im Familienunternehmen tätig, als mein Bruder sich entschloss, die Unternehmensleitung nicht fortzuführen.
Für mich war sofort klar: Du machst das! 
Ich habe keine Sekunde mit dieser Entscheidung gezögert. Man wächst ja ein Stück weit mit einem Familienbetrieb auf. Ich hatte schon immer „Blech im Blut“, wie man bei uns in der Branche sagt. So hat sich das letztlich alles zusammengefügt.
Es ist gut wie es jetzt ist!

„Die Leitplanken setzte ich“

Wie interpretieren Sie Ihre Rolle als Unternehmerin?
Für mich steht ganz klar die soziale Verantwortung  gegenüber meinen Mitarbeitern im Vordergrund. Das hat damals auch dazu beigetragen, dass meine Entscheidung, das Unternehmen zu übernehmen, so schnell gefallen ist.
Ich sehe mich als Rahmengeber für meine Mitarbeiter. Ich setze die Leitplanken. In diesem Rahmen können sich meine Mitarbeiter frei entfalten und entwickeln.
Ich liebe es einfach, wenn Mitarbeiter gut und kompetent in ihrem Job sind. Noch etwas mehr natürlich, wenn es Frauen sind, die sich im „Männerberuf“ durchsetzen.
Es macht mir als Unternehmen großen Spaß zu sehen, wie Mitarbeiter über eine hohe Eigenverantwortlichkeit aufblühen und motiviert sind.

„Wachstum gegen den Strom“

Eine schöne und moderne Führungsphilosophie. Ist das in Ihrer Branche üblich?
Bei uns ist es jedenfalls gelebte Praxis! Ich wollte schon immer meine eigenen, manchmal unorthodoxen Wege gehen. Und das ist gleichermaßen Herausforderung und Ansporn für mich.
Ihr Erfolg der ersten zehn Jahre spricht für sich. Doch Hand auf’s Herz: Gab es auch Startschwierigkeiten, gerade als Frau im „Männerberuf“?
Oh ja, die gab es. Immer wieder mal gab es und gibt es Personen, die selbstverständlich einen Mann in meiner Verantwortung vermuten und sich zumindest erst daran gewöhnen müssen, mit einer Frau zu verhandeln. Aber ich bin im positiven Sinne eine Getriebene und verfüge, glaube ich, über ein gesundes Selbstbewusstsein. Da kommt man gut über gewisse Startschwierigkeiten hinweg. Ich wachse zusammen mit dem Unternehmen – dafür arbeite ich jeden Tag.

„Erfolgsfaktoren“

Es interessiert natürlich viele, wie Sie Ihr kontinuierliches Wachstum, in einer nicht einfachen Branche, erreichen. Welche Strategie steckt dahinter?
Wir investieren ständig in neue Technologien, arbeiten an der Verbesserung unserer Produktivität und sind seit vielen Jahren bekannt für hervorragende Qualität – vom Prototyp bis zur Großserie – das ist das Eine.
Auf der anderen Seite haben wir uns sehr intensiv gefragt, wie wir in der Wahrnehmung des Kunden von der reinen Sachebene wegkommen. Wie schaffen wir es, dass unsere Kunden uns mit einem positiven Erlebnis verknüpfen?
Wir haben kein eigenes Produkt, wir fertigen nur nach Kundenwunsch. Das ist natürlich austauschbar. Übertrieben gesagt bekommen sie das an jeder Ecke. Doch die emotionale Dienstleistung um dieses Produkt herum, das was wir für unsere Kunden tun, ist nicht austauschbar – darauf setzen wir verstärkt.
Können Sie das anhand von Beispielen beschreiben?
Wenn Sie sich unsere Homepage anschauen, werden Sie sehr schnell merken: Hier steht der Mensch im Mittelpunkt. Wir verstehen uns als Dienstleister, der für seine Kunden da ist und das bringen wir auch zum Ausdruck.
Unser Ziel ist es, unseren Kunden mit bester Qualität in Produkt und Service zu bedienen – dazu gehört eben auch, ihm möglichst viel Arbeit abzunehmen und ihm das gute Gefühl zu geben, bei uns gut aufgehoben zu sein. Vor allem aber möchten wir uns das Vertrauen unserer Kunden erarbeiten – das ist für uns das größte Kompliment!

„Die Kür der Führungskraft“

Sind gerade Frauen auf diesem Gebiet besser, vielleicht emphatischer als Männer?
Ich hoffe es, das ist mein Wettbewerbsvorteil!
Spaß beiseite, ich denke grundsätzlich schon, dass Frauen hier Vorteile haben. Doch es muss auch das Selbstbewusstsein einer Person hinzukommen um solche Dinge im Unternehmen und am Markt durchzusetzen.
Sehen Sie beim Thema Mitarbeiterführung auch Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Führungskräften?
Da würde ich mich ungern geschlechtsspezifisch festlegen. Ich denke es ist wichtig, jeden nach seinen individuellen Bedürfnissen zu führen. Der/die Eine braucht schon mal eine direktere Ansage und der/die Andere braucht ein ruhiges Wort zur richtigen Zeit. Das im Alltag hinzubekommen, ist die „Kür der Führungskraft“, egal ob Mann oder Frau.

„Keine Endstation“

Viele Unternehmen, egal welcher Branche, haben Schwierigkeiten Fachkräfte und Nachwuchs zu finden. Wie lösen Sie das bei „Hof CNC“?
Wir veranstalten zum Beispiel immer wieder Betriebsführungen, für Studenten und deren Professoren sowie Schüler und Lehrende der regionalen, weiterführenden Schulen. Eine bessere Werbung können sie kaum machen. Das Unternehmen und auch die Chefin zum „Anfassen“ sozusagen.
Größere Probleme haben wir im gewerblichen Bereich. Da sehe ich auch ein Problem im Elternhaus – einen gewissen „Akademisierungsdruck“. Den Kindern wird eingeredet, dass Sie ohne Studium chancenlos sind.
Unsere Aufgabe sehe ich darin, für Eltern und Ihren Nachwuchs herauszustellen, dass Berufe, wie bei uns in der Fertigung, nicht zwingend die „Endstation“ sein müssen. Es ist doch heute, mit einer guten Ausbildung als Fundament, problemlos möglich, noch den Techniker oder Betriebswirt zu machen. Damit stehen einem alle Türen offen.
Wir gehen den Weg, dass wir die Schulen unterstützen, hier eine gewisse Aufklärungsarbeit zu leisten.
Ich glaube im Rahmen unserer Möglichkeiten tun wir eine ganze Menge. Für unsere jetzigen und zukünftigen Mitarbeiter.

„Klasse statt Masse“

Mit dem Thema Nachwuchswerbung haben wir eine sehr schöne Überleitung zu unserem letzten Thema, der Zukunft. Was ist Ihre persönliche Zielsetzung für die Zukunft Ihres Unternehmens?
Wir befinden uns in einem stetigen Wandel. In den nächsten Jahren steht das Thema Prozessoptimierung ganz oben. Wir haben gerade unsere Fertigung weiter ausgebaut und automatisiert. Das muss organisiert werden. Außerdem haben wir uns entschlossen, ein neues ERP-System auszuschreiben und anzuschaffen. Noch in diesem Jahr finden die Präsentationen der Anbieter statt, die Einführung möchten wir bis Mitte nächsten Jahres erledigen.
Einfach ausgedrückt möchte ich, dass alles, was wir unseren Kunden versprechen, zu 100% eingehalten wird – das ist mein Ziel.
Das klingt jetzt nicht nach einer besonderen Vision, doch es ist eine große Aufgabe.
Ich stelle mir einen Automatisierungsgrad unserer Prozesse vor, der es uns ermöglicht, dass die Menschen im Unternehmen noch mehr für die Menschen außerhalb des Unternehmens, die Kunden, tun können. 
Ich möchte, dass bei Hof CNC der „Faktor Mensch“ in Zukunft noch mehr da eingesetzt wird, wo er wirklich gebraucht wird.
Dafür wünsche ich Ihnen von Herzen viel Erfolg und bedanke mich sehr für Ihre Zeit!
Gern geschehen!

Mehr über Katja Hof und Hof CNC gibt’s hier >>